Sommerschulen 2017

Bericht über die Sommerschule Sprachpolitik und Sprachplanung in der Romania des DRV an der Universität Leipzig, Juli 2017

Vom 17.7.-20.7.2017 fand in Leipzig die diesjährige sprachwissenschaftliche Sommerschule des Deutschen Romanistenverbands zum Thema Sprachpolitik und Sprachplanung in der Romania statt. Ausgerichtet wurde sie von einem Team von Nachwuchswissenschaftlern des Instituts für Angewandte Linguistik und Translatologie (IALT) der Universität Leipzig bestehend aus Dr. Christine Paasch-Kaiser, Jana Neuhaus, Constanze Gräsche und Unai Lauzirika Amias.

Die Lehrveranstaltung gliederte sich inhaltlich in vier Bereiche, von denen jeder einem Tag zugeordnet war. Jeder Tage wurde von einem oder einer eingeladenen Experten oder Expertin mit einem Vortag zum Tagesthema mit anschließender Diskussion eingeleitet: Am ersten Tag ging es mit Prof. Dr. Sabine Asmus (Universität Stettin, Polen / Universität Leipzig) und Dr. Patrick McCafferty (Universität Leipzig) um Sprachpolitik „von oben“: Sprachgesetzgebung, Sprachplanung und Sprachenrechte. Die Teilnahme dieser beiden Experten für die keltischen Sprachen Walisisch und Irisch ermöglichte einen Blick über den romanistischen Tellerrand hinaus. Am zweiten Tag erörterte Prof. Dr. Martina Schrader-Kniffki (Johannes Gutenberg-Universität) die Frage: Sprachpolitik „von unten“? Am dritten Tag setzte sich Paul Bilbao Sarria (European Language Equality Network (ELEN), Belgien / Euskararen Gizarte Erakundeen Kontseilua, Baskenland und Mitinitiator des Donostia Protokoloa 2016) mit Sprachpolitik und Minderheitensprachen auseinander. Am letzten Tag widmete sich Prof. Dr. Carsten Sinner (Universität Leipzig) schließlich dem Thema der Translation im Spannungsfeld von Sprachpolitik und Sprachplanung.

Jeden Nachmittag fand ein 90-minütiger Workshop zu einem weiteren Thema oder eine Lektüreeinheit im Sinne eines close reading, die das Tagesthema ergänzte, statt. Dr. Llorenç Comajoan Colomé (Universitat de Vic, Katalonien) leitete am ersten Tag einen Workshop, in dem sich die Teilnehmenden der Sommerschule kritisch mit verschiedenen Ansätzen zur Untersuchung der Linguistic landscapes und der Anwendbarkeit dieses Konzepts im Rahmen von sprachpolitischen Studien auseinandersetzten. Im zweiten Workshop wurde in drei Kleingruppen das Planspiel EkoLinguA der Eusko Ikaskuntza und des Soziolinguistika Klusterra gespielt. Die Teilnehmenden beschäftigten sich über Debatten mit dem Thema der Sprachökologie als Empowerment für die (baskische) Sprachgemeinschaft. Ziel war es, derart ein Bewusstsein von der eigenen Rolle innerhalb einer bestimmten Gemeinschaft zu vermitteln und die Handlungsmöglichkeiten jedes Einzelnen zu ermitteln. In der Lektüreeinheit am dritten Tag, geleitet von Paul Bilbao Sarria, setzten sich die Teilnehmenden und ExpertInnen mit verschiedenen Dokumenten auseinander, in denen es (auch) um Sprachenrechte geht, wie der Universal Declaration of Human Rights (1948) oder das Donostia Protokoloa (2016). Die Lektüreeinheit des letzten Tags unter Leitung von Prof. Dr. Carsten Sinner war der Frage der Rolle der Übersetzung in den Modellen zu Sprachplanung von Haugen (1987) sowie zu Abstand- und Ausbausprachen von Kloss (1976) gewidmet.

Insgesamt nahmen 18 NachwuchswissenschaftlerInnen sowie sechs ExpertInnen an der Sommerschule teil. Eine Teilnahme war für NachwuchswissenschaftlerInnen nur aktiv mit einem eigenen Beitrag möglich. Die DoktorandInnen und HabilitandInnen kamen von Universitäten in Deutschland, Spanien, Polen und Mexiko und präsentierten in 20-minütigen Vorträgen zumeist die Ansätze ihrer Dissertationen und Habilitationen, aber auch anderer Projekte wie etwa Abschlussarbeiten. Sie hatten dabei stets das jeweilige Tagesthema zum Gegenstand. Die sich jeweils an die Beiträge anschließende Diskussionsphase wurde sehr aktiv genutzt, um Fragen zu stellen, konstruktive Kritik zu äußern und einzelne methodologische und thematische Aspekte zu diskutieren. Aufgrund der großen Nachfrage von DoktorandInnen an der Sommerschule wurde für den ersten Abend kurzerhand noch eine 30-minütige Postersession organisiert, so dass zwei weitere DoktorandInnen ihre Projekte vorstellen und somit aktiv teilnehmen konnten.

Die gesamte Veranstaltung wurde in der Dolmetschtrainigsanlage des IALT durchgeführt. In einladender Arbeitsatmosphäre war derart auch die Einbindung von nicht deutschsprachigen Experten und Teilnehmenden möglich. Die Verdolmetschung in und aus dem Spanischen, Englischen und Deutschen durch 5 Studentinnen unseres Instituts aus dem Master Konferenzdolmetschen ermöglichte allen Teilnehmenden und ExpertInnen ohne Verständnisprobleme an allen Einheiten teilzunehmen.

Neben der Lehrveranstaltung wurde ein Rahmenprogramm bestehend aus einer Stadtführung zu Fuß durch die Leipziger Innenstadt, einem Spaziergang durch das Leipziger Rosental, an den sich das Sommerschulabendessen unter freiem Himmel anschloss, sowie einer Bootsfahrt auf den Leipziger Wasserarmen (Elstermühlgraben, Elsterflutbecken, Weiße Elster, Karl-Heine-Kanal) organisiert, das von allen gut angenommen wurde. Neben den Kaffeepausen zwischen den Unterrichtseinheiten und dem Mittagessen boten diese gemeinsamen Aktivitäten Gelegenheiten, um mit den anderen NachwuchswissenschaftlerInnen, besonders aber auch mit den ExpertInnen in einem informellen Rahmen ins Gespräch zu kommen. Derart konnte ein explizites Anliegen des Organisationsteams umgesetzt werden: Neben der wissenschaftlichen Weiterbildung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sollten auch neue Netzwerke zwischen NachwuchswissenschaftlerInnen, die aktuell im Bereich der Sprachpolitik forschen, und etablierten ExpertInnen aus dem Bereich entstehen.

In einer abschließenden Befragung wurden besonders die gute und konstruktive Arbeitsatmosphäre während der gesamten Veranstaltung, die diversen Möglichkeiten zur Vernetzung und das Engagement des Organisationsteams hervorgehoben. Es wurde auch bereits Interesse von einigen DoktorandInnen geäußert, im kommenden Jahr selbst die durch den Deutschen Romanistenverband geförderte sprachwissenschaftliche Sommerschule auszurichten. Zusammengenommen bestand am Ende der Woche Übereinstimmung darin, dass die Teilnahme an der Sommerschule für (Post-) DoktorandInnen, ExpertInnen, Dolmetscherinnen und OrganisatorInnen menschlich und wissenschaftlich eine große Bereicherung war.

Wir möchten an dieser Stelle den ExpertInnen noch einmal ganz herzlich für ihr unentgeltliches Engagement danken, das weit über unsere Erwartungen hinausging. Unseren Dolmetscherinnen danken wir für ihren Einsatz im Bereich der Sprachmittlung. Unseren Praktikantinnen Amaia Bergara, Meritxell Feliu Ribas, Roser Calafat Andrés und Bárbara Kehoe Thomann sowie unserer Galicischlektorin Sara López Ratón und unserer Sekretärin Julia Orthey-Hertsch gilt unser Dank für ihre hervorragende und unverzichtbare Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung der Sommerschule.

Wir wünschen allen an der Sommerschule Beteiligten viel Erfolg für ihren weiteren Werdegang.

Christine Paasch-Kaiser | Jana Neuhaus | Constanze Gräsche | Unai Lauzirika Amias

 

Bericht über die Sommerschule
„Eigenheit und Fremdheit“ des DRV an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, September 2017

Die DRV-Sommerschule „Eigenheit und Fremdheit: Literaturen der afrikanischen Diaspora im Spannungsfeld von Migration, Identität und kolonialen Stereotypen“ wurde vom 18.09.2017 bis zum 23.09.2017 an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg interdisziplinär von wissenschaftlichen MitarbeiterInnen der Anglistik und Romanistik ausgerichtet. Sie bot 12 NachwuchswissenschaftlerInnen die Gelegenheit, zum einen ihre eigenen Forschungsprojekte vorzustellen und zu präsentieren und zum anderen, sich im Rahmen von Workshop mit Professorinnen, die Spezialistinnen auf dem Gebiet afrikanischer Diasporaliteraturen sind, in kleiner Gruppe auszutauschen.

An jedem Tag der Woche folgte auf einen Impulsvortrag der Professorinnen, der mit einer anschließenden Diskussion den Vormittag gestaltete, im Nachmittagsprogramm die Einzelvorträge der insgesamt 12 (Post-)Doktoranden. Erfreulicherweise gelang es, die Themenschwerpunkte der Sommerschulteilnehmerinnen täglich so an die Keynotes anzugliedern, dass ein möglichst spezifisches Feedback stets gegeben war.

Den Auftaktvortrag hielt Prof. Dr. Claudia Gronemann über das Phänomen der Posture bei Assia Djebar, am Dienstag folgte der Dialog mit Dr. Ineke Phaf-Rheinberger über lusitanisch-afrikanische Diaspora-Literatur in Lateinamerika, Frau Prof. Dr. Susanne Gehrmann hielt einen Vortrag über Afropolitanismus sowie Ausprägungen des Post-Postkolonialismus. Nachdem Prof. Dr. Heike Raphael-Hernandez über Theorien Afrikanischer Diaspora und Kunst- und Kulturformen des Black Atlantic sprach, beendete am Freitagnachmittag Prof. Dr. Susan Arndt das Programm mit einem interaktiven Vortrag über Konzept des Otherings bei Shakespeare und Chritical Whiteness. Die Arbeiten der (Post-)Doktoranden, die sich aus Deutschland, den Niederlanden, Österreich, England und Kanada in Würzburg einfanden, behandelten Darstellungen des (weiblichen) Körpers, Reiseliteratur, Afrikanische und Afro-Diasporische Identitätskonstruktionen, Stereotypisierungen, sowie sozioökonomische Aspekte der Migrationsliteratur von Ruanda bis in die USA.

Dank der großzügigen Unterstützung des DRV und des Unibunds Würzburg war es möglich, für das Rahmenprogramm eine Lesung mit der Ingeborg-Bachmann Preisträgerin Sharon Otoo sowie dem Prix-Renaudot-Preisträger Alain Mabanckou und seinem Übersetzer Dominic Thomas zu organisieren, wobei sich für TeilnehmerInnen und OrganisatorInnen der Sommerschule insbesondere der Dialog mit den Autoren als äußerst produktiv erwies.

Im Namen aller TeilnehmerInnen und an der Organisation Beteiligten gilt dem DRV größter Dank für das Ermöglichen dieser internationalen Sommerschule.

Gabriella Lambrecht