Sektionen Sprachwissenschaft

Zustandsveränderung (Change of state)

Sektionsleitung: Rolf Kailuweit (Freiburg), Liane Ströbel (Düsseldorf)

Kontaktrolf.kailuweit(at)romanistik.uni-freiburg.destroebel(at)phil.uni-duesseldorf.de

Die Sektion beschäftigt sich mit der Herausforderung der Beschreibung von „Zustandsveränderungen“. Zustandsveränderung kann sich vor allem auf physikalischer wie auch psychologischer Ebene abspielen. Aus physikalischer Sicht versteht man darunter Veränderungen im Bereich der Materialbeschaffenheit (fest, flüssig, gasförmig), der Dimensionen (groß, breit, hoch) und der damit verbundenen Prozesse, wie z.B. fr. s’assécherélargir bzw. sp. endurecer, acortar. Aus psychologischer Sicht sind Veränderungen des Zustandes stark mit Emotionen verknüpft, vgl. fr. rougir, sp. entristecer.

Die Sektionsarbeit wird sich aus morphologischer, semantischer, syntaktischer und typologischer Sicht mit verschiedenen Arten von Zustandsveränderung beschäftigen, wobei neben der Antikausativität und Telizität vor allem auch die Gradualität und Skalarität von Zustandsveränderungsäußerungen eine entscheidende Rolle spielen wird (vgl. Aurnague 2008, Baker 2003, Beavers 2008, Cadiot et al. 2006, De Miguel & Fernández Lagunilla 2000, Demonte 1994, Hall & Keyser 2002, Heidinger 2010, Higginbotham 2000, Kailuweit 2010, Kearns 2007, Kennedy & Levin 2008, Lebas & Cadiot 2003, Mendikoetxea 2000, Piñon 2008, Rappaport Hovav 2008, Sanz & Laka 2002).

Aus morphologischer Sicht wird der Fokus vor allem auf Präfixen (fr. a-, en-, é-, – bzw. sp. a-, des-, en-, re-) und Suffixen (fr. –iser, –ifier bzw. sp. –ificar, –izar, –ecer) bzw. der Darstellung allgemeiner formaler Ableitungsrichtungen zwischen Bezeichnungen für Zustände und jenen für Zustandsveränderungen liegen (Embick 2009, Koontz-Garboden 2006, Megerdoomian 2002).

Aus semantischer Sicht scheint es wichtig zu klären, wie viele semantische Subklassen von Zustandsveränderung sich feststellen lassen (Verkuyl et al. 2005, Kennedy & Levin 2008, Levin & Rappaport Hovav 2005, Piñón 2008, Rothstein 2008) und wie groß die Anzahl von Verben ist, die aspektuelle Unterspezifikation aufweisen (Caudal 2005, Caudal & Nicolas 2005, Kamp et al. 2005). Weiterhin sollen die sogenannten „intensionalen“ Verwendungen von Zustandsveränderungsverben thematisiert werden, in denen wie in fr. Le prix / la température / la fièvre monte ein abstraktes Subjekt mit einem metaphorisch interpretierten Zustandsverb auftritt (Löbner 1979, Jackendoff 1979, Lasersohn 2005, Romero 2005). Darüber hinaus sind auch Beiträge willkommen, die bei deadjektivischen Verben die Beziehung der Adjektivsemantik des Zustands zur Verbsemantik der Zustandsveränderung zum Thema haben, vgl. fr. refroidiréchauffer vs. devenir plus froid / chaud.

Aus syntaktischer Sicht stehen die verschiedenen Realisierungsmöglichkeiten von Zustandsveränderungen in den romanischen Sprachen und die damit einhergehenden funktionellen Restriktionen im Vordergrund, wie z.B. die nominale und verbale Versprachlichung oder auch die Umschreibung durch Kopulavarianten (fr. devenir(se) faire(se) rendre, sp. se ha hecho / vuelto / puesto) und Adjektive. Hier kann ein wichtiger Beitrag in der Beschreibung, aber auch Erklärung übereinzelsprachlicher, wie auch einzelsprachlicher Lücken im V(erb)-N(omen)-A(djektiv)-Paradigma bestehen, vgl. fr. *L’essence s’est (r)enchérie. / L’essence est devenue plus chère. vs. dt. Das Benzin hat sich verteuert. Darüber hinaus werden kausative vs. antikausative bzw. telische vs. atelische Versprachlichungsmöglichkeiten von Zustandsveränderungen kontrastiert.

Keywords: Zustand, Zustandsveränderung, Skalarität, Antikausativa, lexikalische Kategorien, Semantik, Morphologie, Syntax, Typologie

 

 


 

Diskurstraditionelles und Einzelsprachliches im Sprachwandel

Sektionsleitung: Araceli López Serena (Sevilla), Álvaro Octavio de Toledo y Huerta (München), Esme Winter-Froemel (Tübingen)

Kontaktesme.winter-froemel(at)uni-tuebingen.de

Der in der Romanistik erarbeitete Begriff der Diskurstraditionen hat seit seiner Einführung (Schlieben-Lange 1983; Koch 1997; 2008; Oesterreicher 2007; Kabatek 2005; Aschenberg & Wilhelm 2003) in zahlreichen empirischen Untersuchungen Anwendung gefunden (vgl. Jacob & Kabatek 2001; besonders Pons 2008) und etwa das Verhältnis von Diskurstraditionen und Diskursanalyse wurde intensiv untersucht (vgl. Schrott & Lebsanft in Vorb.). Zwar ist der Begriff im spanisch- und portugiesischsprachigen Raum sehr beliebt, doch wurde er außerhalb der Romanistik bislang kaum aufgegriffen. Und auch innerhalb der romanistischen Forschung werden inzwischen unterschiedliche inhaltliche Bestimmungen des Begriffs vorgenommen, wobei insbesondere die Abgrenzung von Textsorten (vgl. López Serena, im Druck a und b) sowie die Bestimmung des Verhältnisses von Diskurstraditionen und Einzelsprache zentrale Probleme darstellen.

Insofern kann das Forschungsfeld der Diskurstraditionen als eine Herausforderung gesehen werden, die weitere begriffliche Klärungen, theoretische Diskussionen und empirische Analysen erforderlich macht. Gleichzeitig eröffnen Diskurstraditionen aber auch bedeutende Chancen für die aktuelle Linguistik: Indem die Diskurstraditionen als wesentliche Manifestationsformen von Sprachlichem neben der Einzelsprache berücksichtigt werden, deutet sich eine partielle Neukonzeption von Sprache an, die vom Bewusstsein ihrer historischen Dimension und Komplexität geprägt ist (vgl. Rastier 2001).

Ausgehend von diesen Feststellungen soll in unserer Sektion das Verhältnis von Diskurstraditionellem und Einzelsprachlichem mit einer spezifischen Perspektivierung diskutiert werden: Diskurstraditionen sollen als Instrument der Sprachwandelforschung in den Blick genommen werden, und es soll untersucht werden, in welchem Verhältnis Diskurstraditionelles und Einzelsprachliches im Sprachwandel zueinander stehen. Einerseits kann diese Frage auf den Ablauf von Sprachwandel­prozessen bezogen werden (vgl. Winter-Froemel 2008; 2011). Empirisch zu untersuchen ist hier etwa, inwiefern bestimmte Diskurstraditionen die Schaffung und Verbreitung einzelner Innovationen beeinflussen (vgl. Octavio de Toledo 2008; 2011). Andererseits können Diskurstraditionen und Einzelsprache bzw. auf die jeweiligen Gegenstände bezogenes Wissen auch als Teil der Sprachkompetenz verstanden werden. D.h. hier geht es etwa um die Frage, inwiefern das Wissen über bestimmte Diskurstraditionen und die Zugehörigkeit sprachlicher Fakten zu bestimmten Diskurstraditionen ein wesentliches Element der Sprachkompetenz darstellt, das als Erklärungsfaktor für Sprachwandel einzubeziehen ist.

Zu diskutieren ist schließlich, welche theoretischen und methodologischen Konsequenzen sich aus entsprechenden empirischen Untersuchungen ableiten lassen: Welche Typen von Diskurstraditionen sind – als Instrument der Sprachwandelforschung und Sprachkompetenz – wesentlich? Sollte neben Diskurstraditionen auch der Begriff des Diskurstraditionellen stärkere Berücksichtigung finden? Und welche zusätzlichen Erklärungsfunktionen bietet dieser Begriff an? Wie können die Begriffe dahingehend geschärft werden, dass sie auch für andere Philologien besser zugänglich sind? Und welche Desiderate können für die Konzipierung historischer Korpora hinsichtlich der Einbeziehung diskurstraditioneller Aspekte formuliert werden – etwa hinsichtlich der Einbeziehung eines hinreichend breiten Spektrums an Diskurstraditionen sowie hinsichtlich der diskurstraditionellen Etikettierung der Texte und ggf. Textpassagen?

Die skizzierten Fragestellungen deuten an, dass Diskurstraditionen und Einzelsprache als klar voneinander abgegrenzte Begriffe und Bereiche konzipiert werden können. Zugleich deuten sich aber auch verschiedene Brücken und Übergänge zwischen beiden Bereichen an, deren Analyse neue Perspektiven für die Sprachwandelforschung und für die Modellierung von Sprachkompetenz aufzeigen kann.

 

 


 

Prosodie und Sprachkontakt in der Romania

Sektionsleitung: Yolanda Congosto (Sevilla), Laura Morgenthaler García (Bremen)

Kontaktmorgenth(at)uni-bremen.de

Bis Ende des 20. Jahrhunderts setzt sich die allgemeine Ansicht durch, dass die suprasegmentalen Aspekte einer Sprache, vor allem die Intonation, ein marginales Phänomen sind, da sie keinen distinktiven oder diskreten Charakter haben (vgl. Martinet 1974). Zu Beginn der 90er Jahre weisen Autoren wie A. Quilis (1993) auf die Tatsache hin, dass die Intonation eine Form und Substanz besitzt, durch dessen letztere sich die melodischen Modelle festlegen lassen. Im gleichen Jahrzehnt macht Michel Contini (1992), Koordinator des internationalen Projektes AMPER, Atlas Multimedia de Prosodia del Espacio Románico, auf die geringe Anzahl der Intonations- und Betonungsstudien aufmerksam. Dies führt er auf die Schwierigkeit, die die Prosodieanalyse mit sich bringt, zurück. Grund dafür ist nicht nur die Notwendigkeit einer multiparametrischen Studie (Frequenz, Dauer und Intensität), sondern die fehlenden technologischen Mittel und die nicht ausreichend ausgestatteten Labore. Hinzu kam die mangelhafte Ausbildung der Experten in akustischer Phonetik, sowie die Schwierigkeit, eine Methodologie zu erarbeiten, welche einen Vergleich der intonativen Strukturen der romanischen Sprachen zulässt. Seit der Entstehung des AMPER-Projekts, mit mehr als einem Dutzend an Forschungsteams in Europa und Lateinamerika und an weiteren Projekten mit gleichen Merkmalen, wie das ATLES (Atlas Interactivo de la entonación del español) verbunden mit dem IARI (Interactive Atlas of Romance Intonation mit Pilar Prieto als Leiterin), welche sich eine Methodologie der Datenerhebung sowie deren Analyse teilen, wurde außerordentlich aufgeholt.

In dieser Sektion wird vorgeschlagen, auf eine in den zuvor genannten Forschungen bisher nicht beachtete Fragestellung näher einzugehen: Wie beeinflusst der Sprachkontakt die prosodischen Parameter der beteiligten Sprachen? Diese Frage ist aufgrund der Vielzahl an Sprachen, mit denen die romanischen Sprachen in Kontakt sind, von großer Bedeutung. Die Thematik dieser Sektion ist innovativ in beiden Gebieten: sowohl für die Kontaktlinguistik, als auch für die allgemeinen und speziell romanischen prosodischen Forschungen. Diese interdisziplinäre Annäherung setzt eine wissenschaftliche Herausforderung voraus, welche noch fast komplett angegangen werden muss. Demnach sind Vorschläge zu Aspekten der Prosodie der romanischen Sprachen in Kontaktsituationen und vorzugsweise folgenden Fragestellungen willkommen:

  1. Aus einem theoretischen Blickwinkel: Was setzt die prosodische Forschung im Bereich des romanischen Sprachkontakts voraus; ist es möglich von einer Prosodie des Kontakts zu sprechen?
  2. Welche methodologischen Aspekte müssen in dieser Art Studie beachtet werden (beispielsweise bei der Erarbeitung der spezifischen Korpora, welche die suprasegmentalen Aspekte der L1 berücksichtigen sollen)?
  3. Was geschieht, wenn man keine Kenntnisse über die prosodischen Modelle der Kontaktsprachen besitzt? Ist es etwa möglich, eine Analyse vorzunehmen, ohne über die zuvor genannte Information zu verfügen, wie es bei vielen indigenen Sprachen Lateinamerikas oder den autochthonen Sprachen der Afroromania der Fall ist?

 


 

Angewandte Romanistische Linguistik: Kommunikations- und Diskursformen im 21. Jahrhundert

Sektionsleitung: Alberto Gil (Saarbrücken), Claudia Polzin-Haumann (Saarbrücken)

Kontakta.gil(at)mx.uni-saarland.de

Durch die immer neuen technologischen Weiterentwicklungen erfahren die kommunikativen Prozesse starke Veränderungen. Weltweiter sekundenschneller Datenaustausch, die zunehmenden Möglichkeiten der Interaktion im Internet (Web 2.0) und crossmediale Nutzungskonzepte, die die verschiedenen Angebote vielfältig kombinieren, führen zu einer immer schnelleren und scheinbar auch grenzenlosen Kommunikation. Aus der Sicht der Angewandten Sprachwissenschaft werden hier zahlreiche Fragen aufgeworfen, so etwa:

  • Wie sind die medienbedingten Auswirkungen der Kommunikationsprozesse zu beschreiben? Lassen sich einzelsprachenübergreifende Standardisierungstendenzen feststellen? Wo liegen einzelsprachliche Spezifika?
  • Inwiefern bestehen zielgruppenspezifische Ausprägungen von Diskurskonventionen und -mustern?
  • Wie sind diese Forschungsfelder für die Vermittlungsebene zu modellieren?

Im Rahmen des Kongressthemas „Romanistik – Herausforderungen und Chancen“ fokussiert die vorliegende Sektion anwendungsbezogene Aspekte romanistisch-linguistischer Forschung, die sich vor allem aus den neuen Kommunikationsformen ergeben. Damit sollen aus einer Perspektive der Vernetzung von Sprachwissenschaft und sprachlichem Alltag die Chancen einer Modernisierung traditioneller Methoden in der Romanischen Sprachwissenschaft diskutiert werden.

In der Sektion geht es im Einzelnen darum, verschiedene Parameter moderner Kommunikationsformen für sich oder in ihrer Interaktion zu studieren. Wichtige Themenfelder sind

  • der öffentliche Diskurs, z. B. die politische Rede: von Parlament zu Fernsehen und Internet (Politainment), Spontaneität und Anonymität bei den Kommentaren zu Online-Artikeln von Zeitungen und privaten Blogs, Formen der Kommunikation bei den unterschiedlichen elektronisch gestützten Netzwerken, Verbindung der verschiedenen Medien
  • Multilingualität, Multikulturalität und Übersetzung u. a. in Web-Präsentationen oder auch in der experimentierenden Literatur und in der Werbung
  • der Stellenwert und die Rolle der neuen Medien und Diskursformen für die Didaktik der romanischen Sprachen. Wie beeinflusst das Web 2.0 Prozesse des Sprachenlehrens und -lernens? Was bedeuten die neuen Kommunikationsformen und -wege z.B. für das interkulturelle Lernen? Inwieweit ergeben sich neue Anforderungen an Lehrende und Lernende?

 


 

Fachkommunikation in der Romania. Wissenschaftssprachen im innerromanischen und romanisch-deutschen Vergleich

Sektionsleitung: Gundula Gwenn Hiller (Frankfurt/Oder), Nadine Rentel (Zwickau)

Kontakthiller(at)europa-uni.denadine.rentel(at)fh-zwickau.de

Trotz der zunehmenden Internationalisierung der Hochschulen und der dadurch entstehenden Diversität im Hochschulalltag wird dem Bedarf nach einem Diskurs über die damit verbundenen interkulturellen Herausforderungen für die beteiligten Akteure bislang weder auf wissenschaftlicher noch auf politisch-institutioneller Ebene Rechnung getragen. Neben der Beschreibung der Herausforderungen, die eine nationale Hochschulkultur ausmachen (Lehre, Kommunikationskonventionen, Rituale, Verständnis von Wissenschaftlichkeit, Hierarchien und Rollenverständnisse etc.), müssen auch hochschuldidaktische Fragen, beispielsweise zum Umgang mit Heterogenität in Bezug auf Lehr- und Lernstile oder auf die Standards wissenschaftlichen Arbeitens, diskutiert werden.

Ein weiteres Problemfeld des institutionalisierten, fachsprachlichen Diskurses an Hochschulen ist die Sprachenwahl. Wissenschaftler sowie Studierende müssen immer häufiger in einer Fremdsprache (z.B. auf Englisch) kommunizieren. Dabei stellt es für Nichtmuttersprachler eine Herausforderung dar, in einer Fremdsprache wissenschaftliche Inhalte zu vermitteln bzw. sich diese anzueignen, da hierzu Kompetenzen notwendig sind, die über die lexikalischen und grammatischen Strukturen der Zielsprache hinausgehen. Die Frage ist weiterhin, inwieweit dabei die erlernten Vertextungskonventionen der Muttersprache auf den fremdsprachlichen Diskurs übertragen werden.

Neben der traditionellen Form des Präsenzunterrichts gewinnt das Virtual oder Blended Learning zunehmend an Bedeutung. Immer häufiger können Studierende Vorlesungen virtuell besuchen, per Skype in die Sprechstunde kommen, sich in Kommunikationsforen über den Inhalt von Lehrveranstaltungen austauschen, Projekte gemeinsam (v.a. in internationalen Teams) virtuell bearbeiten etc. Da für die Online-Kommunikation besondere Rahmenbedingungen gelten, stellt sich die Frage, wie diesen Herausforderungen in den romanischen Sprachen begegnet wird und welche kulturspezifischen Rezeptionsgewohnheiten es zu beachten gilt.

Die folgenden Fragen könnten in der Sektion bearbeitet werden:

  • Welche historischen Unterschiede bestehen in der Herausbildung der Wissenschaftstraditionen in der Romania?
  • Welche (Fach-)Textsorten stehen in den romanischen Sprach- und Kulturräumen zur Verfügung? Wie lassen sich diese hinsichtlich der Fachlexik, verwendeter fachsprachlicher Strukturen/Phraseologismen und der fachtextlichen Strukturierung beschreiben? Welche Konzepte stehen hinter den jeweiligen Termini aus den akademischen Kulturen (z.B. „doctorat“, „dottorato“, „thèse“, „tesi“ etc.)?
  • Lassen sich Unterschiede in der kommunikativen Interaktion beschreiben, z.B. zwischen ProfessorInnen und Studierenden (Kontaktaufnahme, Höflichkeitskonventionen etc.)?
  • In welchem Maße nutzen Hochschulen Soziale Netzwerke, um mit ihren Angehörigen und der Öffentlichkeit zu kommunizieren? Welchen Gestaltungsprinzipien unterliegen deren Websites?
  • Wie gestaltet sich die „virtuelle“ Zusammenarbeit im Rahmen von Lernplattformen, Foren etc.? Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich für die internationale Zusammenarbeit?

 


 

Das Wort als Einheit: Grundlagen und Grenzfälle

Sektionsleitung: Sandra Ellena (Würzburg), Judith Meinschaefer (Berlin)

Kontaktsandra.ellena(at)uni-wuerzburg.dejudith.meinschaefer(at)fu-berlin.de

Das Wort gilt als intuitiv erfassbare sprachliche Einheit. Dennoch ist unter sprachwissenschaftlicher Perspektive alles andere als klar, was ein Wort ist und welche Klassen von Wörtern sinnvollerweise unterschieden werden sollten. Eine Betrachtung im Lichte aktueller Ansätze zu den Schnittstellen von Phonologie, Morphologie und Syntax lässt neue Erkenntnisse dazu erwarten, was ein Wort ausmacht und welche Typen von Wörtern es gibt.

Wörter lassen sich nach unterschiedlichen Kriterien und auf verschiedenen Granularitätsebenen klassifizieren. Ein wichtiger Ansatz ist sicherlich die Einteilung in Wortarten. Manche Wortartenklassifikationen begründen eine Unterteilung der Wörter in Klassen primär nach semantischen Kriterien (Hopper & Thompson 1984, Croft 1991). Andere basieren darauf, dass Wörter mit gleichen oder ähnlichen morphosyntaktischen Eigenschaften zusammengefasst werden (Baker 2003). Seit langem ist aber bekannt, dass es sich bei manchen Untertypen um hybride Wortarten handelt. So zeigen Partizipien in mehreren romanischen Sprachen sowohl Eigenschaften, die für Verben charakteristisch sind, als auch typische Merkmale von Adjektiven (frz. j’ai payé la facture – la facture payée le jour mêmeune histoire amusant beaucoup les enfants – une histoire très amusante) (Helland 2000). In manchen theoretischen Ansätzen, wie z. B. der Distributed Morphology, werden derartige Beobachtungen dadurch erklärt, dass Wörter nicht von vornherein, d. h. im Lexikon, einer Wortart zugeordnet sind, sondern dass sich – bedingt durch die Bedeutung eines Wortes, oder besser seiner Bestandteile – distributionelle Unterschiede erst sekundär ergeben (Harley & Noyer 1999). Sind Wortartenunterscheidungen für die moderne Sprachwissenschaft also überhaupt noch relevant?

Neuere Forschungen haben wiederum gezeigt, dass die Unterscheidung zwischen Inhaltswörtern und Funktionswörtern von großer Relevanz ist, was durch eine Reihe von sprachlichen Phänomenen belegt werden kann: So entwickeln einerseits allein Funktionswörter (wie Artikel, Pronomina, Präpositionen) klitische Varianten (wie frz. le, la, les vs. lui, elle, eux) und Portemanteau-Formen (wie frz. de le > du), andererseits spielen nur Inhaltswörter (wie Nomen, Verben, Adjektive) eine Rolle für die Bestimmung des lautlichen „Gewichtes“ einer Phrase, das z. B. die Wortstellung beeinflussen kann (Selkirk 1984, D’Imperio, Elordieta, Frota, Prieto & Vigário 2005). Die Unterscheidung zwischen Inhalts- und Funktionswörtern ist auch mit derjenigen zwischen „betonten“ und „unbetonten“ Wörtern verwandt. Im Bereich der „unbetonten“ Wörter ist der Wortstatus vor allem der klitischen Pronomina überhaupt umstritten. Französische klitische Pronomina beispielsweise werden von manchen Wissenschaftlern den Affixen zugerechnet (vgl. Kaiser 1992). Ihre Stellungsmöglichkeiten sind allgemein begrenzter als die „typischer“ Wörter, und sie sind nicht betonbar; allerdings sind ihre Stellungsmöglichkeiten freier als die von echten Affixen.

Doch was ist überhaupt ein Wort? Für Komposita beispielsweise lässt sich fragen, ob sie ein oder mehrere Wörter darstellen (z. B. Guevara 2012). So können italienische Komposita zwei Akzente haben, wie pòrtaocchiáli, im Gegensatz zu einfachen Wörtern, die stets nur einen Akzent aufweisen (Nespor 1999). Manche Wissenschaftler zählen auch lexikalisierte Phrasen aus Nomen und Präpositionalphrase, wie span. máquina de escribir, zu den Komposita, obwohl sie anderer Auffassung nach aus mehreren Wörtern bestehen (Corbin 1992, Bisetto & Scalise 2005). Mehr als einen Akzent besitzen auch spanische Adverbien, wie prácticamente (Suñer 1975), also Wörter, bei denen es sich einer verbreiteten Meinung zufolge gar nicht um Komposita, sondern um derivierte Formen handelt. Nicht nur hier, sondern auch in vielen anderen Fällen kann in der Entwicklung der romanischen Sprachen beobachtet werden, dass sich freie Wörter zu gebundenen Formen, also zu Klitika oder Affixen entwickeln (Ledgeway 2011). Wie genau diese Reduktionsprozesse verlaufen und welchen Beschränkungen sie unterliegen, ist trotz der Einschlägigkeit von Beispielen wie dem Affix –mente/-ment oder dem romanischen Futur und Konditional nicht vollständig geklärt.

Die Sektion hat das Ziel, sich mit dem Wortbegriff auseinanderzusetzen, ihn zu präzisieren und gegebenenfalls zu relativieren. Es soll in diesem Rahmen die These überprüft werden, dass bei der Realisierung von Sprache (und damit auch bei der Klassifizierung von Spracheinheiten) die Unterscheidung in Wörter weniger zentral ist als die Unterscheidung in lexikalisches und grammatisches Material. Willkommen sind Arbeiten zur lautlichen Dimension, zu Form, Distribution und Semantik der Einheit „Wort“ und ihrer Bestandteile in allen romanischen Sprachen und Varietäten unter diachroner und synchroner Perspektive.

 

 


 

Herkunftsbedingte Mehrsprachigkeit im Unterricht der romanischen Sprachen in Schule und Universität – Herausforderung und Chance für die romanistische Sprachwissenschaft

Sektionsleitung: Eva Fernández Ammann (Mannheim), Amina Kropp (Mannheim), Johannes Müller-Lancé (Mannheim)

Kontaktfernandez(at)phil.uni-mannheim.de

Die Erforschung der sprachlichen und kognitiven Kompetenzen bi- bzw. multilingual aufwachsender Individuen stellt spätestens seit Weinreich (1953) ein genuines Kerninteresse der modernen Linguistik dar. Vor dem Hintergrund zunehmend multikulturell und damit multilingual zusammenge­setzter Gesellschaften hat das wissenschaftliche Interesse an Fragestellungen aus der Sprachkontakt- und Mehrsprachigkeitsfor­schung in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Zudem ist gerade in jüngerer Zeit eine Abkehr von einer Defizit- hin zu einer Ressourcenorientierung zu beobachten, die das große Potenzial zwei- bzw. mehrsprachig Aufwachsender für das Erlernen weiterer Sprachen in den Vordergrund rückt (vgl. z.B. Cummins 1982, 1984, 1991; Skutnabb-Kangas 1984, 1991; Tracy 1996, 2000, 2007; Reich/Roth 2002; Gogolin et al. 2005; Krumm 2005; Gogolin/Neumann 2009; Montanari 2002; Wojnesitz 2010; Fürstenau/Gomolla 2011).

Das Thema „Sprachenlernen (und -lehren) im mehrsprachigen und multikulturellen Kontext“ hat auch die moderne Romanistik zunehmend beschäftigt: Bedingt durch die Sprachenfolge im deutschen Schulsystem stammen wichtige Erkenntnisse über Mehrspra­chigkeit und Sprachenvernetzung aus der Romanistik, die als eine der Mutterdisziplinen einer der Sprach­lehr- und -lernforschung verpflichteten Tertiärsprachenforschung bzw. Mehrsprachigkeitsdidaktik gelten kann (vgl. z.B. Bahr/Bausch/Helbig et al. 1996, Dabène/Degache 1996, Blanche-Beveniste et al. 1997; Meißner/Reinfried 1998; Klein/Stegmann 2000; Müller-Lancé 2003; Bär 2004, 2009; Meißner 2008, 2009). Für die romanistische Forschung hält die Bearbeitung dieses Themenkomplexes folglich besondere „Herausforderungen und Chancen“ bereit; insofern wird das wissenschaftliche Interesse auch auf gesellschaftlich aktuelle Fragestellungen beispielsweise Bildungsgerechtigkeit und Integration betreffend gelenkt, die etwa durch die Zusammenführung von migrationslinguistischen und interlingualen bzw. -kulturellen Ansätzen näher beleuchtet werden können.

Die Sektionsarbeit soll dazu beitragen, die interdisziplinäre Diskussion um multilinguale Entwicklung und Bildung anzuregen und perspektivisch zu erweitern: Aktuelle Impulse aus der den ungesteuerten Spracherwerb fokussierenden Sprachkontakt- und Zweitspracherwerbsforschung sollen mit Ansätzen der Tertiärsprachenforschung und Mehrsprachigkeitsdidaktik verbunden werden. Diese Zusammenschau interdisziplinärer Zugänge zur individuellen und gesellschaftlichen Mehrsprachigkeit, in Verbindung mit Erkenntnissen aus der Migrations-, Bildungs- und interkulturellen Lernforschung, will die bislang eher isolierte Betrachtung unterschiedlicher Formen der Mehrsprachigkeit und des mehrsprachigen Lernens aufbrechen. Sie zielt daher auf eine Synthese bestehender Ansätze, die eine multiperspektivische und damit ganzheitlichere Betrachtung des effektiven Lernens und Lehrens speziell – jedoch nicht nur – romanischer Sprachen ermöglicht. Im Rahmen der Sektion sollen darüber hinaus Möglichkeiten einer qualitativen Verbesserung des schulischen und universitären Fremdsprachenunterrichts herausgearbeitet und diskutiert werden – nicht zuletzt mit Blick auf eine gelungene Integration und eine Steigerung der Bildungsgerechtigkeit in Deutschland, wo der Schulerfolg von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund bekanntermaßen besonders schlecht ausfällt (vgl. z.B. PISA-Studie 2003; OECD 2006; Fereidooni 2011).

Zentrale Leitfragen:

Welche Bedeutung kommt dem Faktor „herkunftsbedingte Mehrsprachigkeit“ im Unterricht (nicht nur) romanischer Fremdsprachen zu?
Inwieweit kann die besondere Sprachausstattung herkunftsbedingt simultan Mehrsprachiger im Unterricht romanischer Sprachen für einen erfolgreichen Lernprozess genutzt und fruchtbar gemacht werden?
Welche lehrerseitigen Maßnahmen können dazu beitragen, den Fremdsprachenlern- und damit Bildungserfolg herkunftsbedingt mehrsprachiger Individuen zu erhöhen?

 

 


 

Philologie und Grammatik

Sektionsleitung: Georg A. Kaiser (Konstanz), Harald Völker (Zürich)

Kontaktgeorg.kaiser(at)uni-konstanz.dehvoelker(at)rom.uzh.ch

Ziel der Sektion ist es, Zusammenhänge und gegenseitige Abhängigkeiten der philologischen und der grammatischen Bearbeitung von (romanischsprachigen) Texten herauszuarbeiten. Während der Schwerpunkt einer philologischen Herangehensweise vor allem in der Edition und Kommentierung von Texten und somit im Text selbst liegt, ist der Text bei einer grammatischen Analyse eher ein Hilfsmittel, das primär dazu dient, grammatiktheoretisch motivierte Thesen zu überprüfen. In der Regel werden beide Herangehensweisen separat voneinander angewendet und die Ergebnisse der jeweils anderen Herangehensweise werden gegenseitig kaum zur Kenntnis genommen. Dieser Nichtkontakt wird durch Fachtraditionen und institutionelle Verortungen noch verstärkt. Blickt man jedoch etwas genauer hin, so bestehen zwischen beiden Bereichen neben Berührungspunkten und Parallelen auch echte Interdependenzen.

Im Rahmen dieser Sektion wird davon ausgegangen, dass eine Verknüpfung beider Herangehensweisen ausgesprochen fruchtbar für eine empirisch ausgerichtete (romanistische) – diachronische und synchronische – Sprachwissenschaft sein könnte und dass der – noch wenig entwickelte – Dialog zwischen Philologie und Grammatik als Desiderat anzusehen ist. Aus diesem Grund soll in der Sektionsarbeit versucht werden, beide Herangehensweisen zueinander in Beziehung zu setzen und die jeweiligen Vertreterinnen und Vertreter zu einem gegenseitigen Austausch zusammenzuführen.

Konkretisieren können sich die Beiträge zu dieser Sektion beispielsweise in den folgenden Themenfeldern, in denen die Philologie auf Ergebnisse der grammatikalischen Analyse zurückgreift:

  • die grammatikalische Analyse als Entscheidungshilfe bei der Konstituierung kritischer Texteditionen
  • die Auswahl und Implementierung grammatischer Kategorien beim Tagging alter und moderner Texte in elektronischen und datenbankbasierten Editionen

Umgekehrt hängt auch die grammatische Analyse direkt von Entscheidungen ab, die im Rahmen der Editionsphilologie getroffen werden:

  • die philologischen Implikationen der Textkonstituierung, die bei der grammatikalischen Analyse älterer Textstufen zu berücksichtigen sind

Berührungspunkte und Parallelen ergeben sich darüber hinaus etwa in den folgenden Bereichen:

  • „Detektivarbeit“ als Strategie bei Textedition und grammatikalischer Analyse
  • „Philologie der Grammatik“: zur Edition und Analyse alter Grammatiken und Grammatikkommentare
  • „Grammatologie der Editionsphilologie“: zu – unbewussten? – Regelhaftigkeiten im Verhalten von Editoren beim Erstellen von Texteditionen

Eingeladen zur Mitarbeit fühlen sollen sich neben allen, die sich aus der konkreten Projektarbeit heraus zu Parallelen und Abhängigkeiten zwischen beiden Bereichen äußern können, auch diejenigen, die bisher nur in einem der beiden Bereich gearbeitet haben und bereit sind, sich dem anderen Bereich anzunähern.

 

 


 

Autorschaft und Autorität in den romanischen Literaturen des Mittelalters

Sektionsleitung: Susanne Friede (Göttingen), Michael Schwarze (Konstanz)

Kontaktsfriede(at)gwdg.demichael.schwarze(at)uni-konstanz.de

Im Zeitalter des „digitalen Autors“ scheint die von der strukturalistischen und poststrukturalistischen Theoriebildung vorgebrachte Forderung nach dem „Tod des Autors“ von einer gesellschaftlich weit verbreiteten Angst vor der unaufhaltsamen, unkontrollierbaren „Auflösung des Autors“ samt seiner Autorität über den eigenen Text retrospektiv überholt zu werden.

Dies mag einer der Gründe dafür sein, dass der Autorschaftsdebatte – initiiert durch deren Wiederaufnahme auf neugermanistischer Seite – in den vergangenen Jahren verstärkt erneut auch die Aufmerksamkeit der altgermanistischen und mediolatinistischen Forschung, der Editionsphilologie wie die der Rechtsgeschichte zuteil geworden ist.

Diesem sich neu eröffnenden Diskursrahmen will die Sektion von romanistischer Seite aus Rechnung tragen, indem sie ihrerseits fragt, unter welchen Voraussetzungen, in welchen Kontexten, mit welchen Verfahren und in welchen Funktionszusammenhängen sich „Autorschaft“ in den romanischen Literaturen des Mittelalters konstituiert.

Im Zentrum unserer Betrachtungen sollen dabei weniger der Status des „Autors“ an sich als vielmehr die für die Mittelalterforschung zentrale Frage nach Verfahren der Herstellung von Autorität stehen. Diese Fokussierung beruht auf der Annahme, dass die mittelalterliche Literatur grundsätzlich auf normative Konzepte referiert, deren exemplarischer Gültigkeitsnachweis den einzelnen Text wesentlich legitimiert. Autorität gewinnen die Texte dabei in der Regel durch Strategien autoritativer Absicherung – etwa durch den Bezug auf vorbildliche auctores, auf institutionelle Machtfaktoren sowie durch Strategien der Selbst-Authentifizierung.

Eine Herausforderung, aber auch genuin mediävistische Chancen bestehen in diesem Zusammenhang unter anderem darin, dass im Mittelalter fiktionale und faktionale, orale und schriftlich fixierte Texte nicht in getrennte Felder ausdifferenziert, sondern vielerlei Diskurszusammenhänge gerade von deren nur heuristisch aufzulösender Verschränkung geprägt sind. Behandelt werden sollen daher Fragen von Autorschaft und Autorität in unterschiedlichen Textsorten.

Mögliche Perspektiven, welche in dem skizzierten Sinne Einzelfallanalysen geeigneter Texte leiten können, sind zum Beispiel

  • unterschiedliche Verfahren der Konstitution von auktorialer Autorität (imitatio, Zitat von auctores, Verweis auf Schriftquellen, intertextuelle Referenz, Augenzeugenschaft u.a.m.)
  • (konkurrierende) Strategien der Inszenierung, Akklamation, Bekräftigung oder aber Ablehnung von Autorität
  • Autorschaft und Autorität im Spannungsfeld der Instanzen von auctor, commentator, compilator und scriptor
  • Hervorbringung, Vermittlung und Verstetigung von Wissen als autoritätsstiftende Aufgabe des auctor